Ein Musikplayer, wie ich ihn mir wünsche, war so nicht zu kaufen – also habe ich ihn selbst konstruiert: zwei runde Lautsprecherkammern links und rechts, dazwischen ein Elektronikfach mit Raspberry Pi, Verstärker und Netzteil. Alles in FreeCAD konstruiert, im 3D-Drucker gedruckt und mit einer Holzverkleidung versehen.
Der fertige PiPlayer
Das Konzept
Der PiPlayer ist ein Netzwerk-Musikplayer für Küche, Werkstatt oder Wohnzimmer – überall, wo eine normale Steckdose und WLAN zur Verfügung stehen. Er spielt Musik aus der eigenen Sammlung und Internetradio, auf Wunsch lässt sich auch Spotify als Musikquelle wählen. Auch das Streamen direkt vom Handy ist möglich. Gesteuert wird er bequem per Handy-App. Für die schnelle Bedienung am Gerät gibt es einen Lautstärkeknopf an der Front.

Gehäuse und Lautsprecher
Das Gehäuse besteht aus drei Modulen: zwei halbkugelförmigen Lautsprecherkammern und dem Mittelteil für die Elektronik. Die Module sind verschraubt, die Gewinde stecken als eingeschmolzene Gewindeeinsätze im Kunststoff – so lässt sich das Gerät beliebig oft öffnen.
- Lautsprecher: je ein Visaton FRS 8 Breitbandlautsprecher pro Seite
- Bassreflex-Kanäle in den Kammern für mehr Tiefgang
- Lautsprechergitter mit Schnappverbindung – ohne Schrauben abnehmbar
- Material: Das Grundgehäuse ist aus schwarzem PLA (NX2) gedruckt, die Verkleidung – Schalen und Fronten – aus Holzfilament. Das gibt dem Player seine warme Holzoptik («WoodPlayer»)
Klang statt «Plastik-Sound»
Gedruckte Lautsprechergehäuse klingen oft dünn und scheppernd. Darum habe ich die Lautsprecherkammern beim Konstruieren und Drucken speziell auf die Visaton-Lautsprecher abgestimmt – Kammervolumen, Bassreflex-Kanal und die Ausführung des Drucks. Das Ergebnis ist ein voller, sauberer Klang, der nach meinem Höreindruck an einen Squeezebox Boom von Logitech herankommt – und eben nicht nach billigem Plastik tönt.

Das Innenleben
Im Mittelteil ist die Elektronik in Etagen angeordnet. Auf den Bildern ist das Gehäuse durchsichtig dargestellt, die Baugruppen sind farbig markiert:
- Blau – Verstärker: Digitalverstärker mit TPA3116D2, oben eingebaut, die Lautstärke-Achse führt direkt zum Knopf an der Front
- Grün – Raspberry Pi 5 mit aufgesteckter Soundkarte (DAC) für sauberen Klang
- Grau – Netzteil: Mean Well HDR-100-24N (24 V) für Verstärker und Pi
- Violett – DC/DC-Wandler von 24 V auf 5 V für den Raspberry Pi
- Orange – Netzteilträger: 3D-gedruckter Halter, der Netzteil und Wandler im unteren Fach aufnimmt
- dazu ein 230-V-Hauptschalter und ein Pufferkondensator (4700 µF)



Stromversorgung – eine Lektion in Masseschleifen
Ein Netzteil für alles: Das 24-V-Netzteil versorgt den Verstärker direkt, der Raspberry Pi bekommt seine 5 V über einen DC/DC-Wandler. Im ersten Aufbau mit einem einfachen, nicht isolierten Abwärtswandler war ein deutliches Störgeräusch aus den Lautsprechern zu hören – eine typische Masseschleife. Die Lösung war ein galvanisch getrennter Wandler (Mean Well SD-15B-5). Seitdem ist Ruhe.
Software: Player oder kompletter Musikserver
Auf dem Raspberry Pi läuft piCorePlayer, ein schlankes Linux, das den Pi in einen Squeezebox-kompatiblen Musikplayer verwandelt. Damit lässt sich der PiPlayer auf zwei Arten betreiben:
- Als Player im Netzwerk: Der PiPlayer verbindet sich per WLAN mit einem vorhandenen Musikserver, zum Beispiel einem Lyrion Music Server, und spielt dessen Musik ab – allein oder synchron mit weiteren Playern im Haus.
- Ganz eigenständig: Der PiPlayer arbeitet als Medienserver (Lyrion Music Server) und Player in einem Gerät. Er braucht dann keinen weiteren Server im WLAN – Musiksammlung, Internetradio und Steuerung laufen direkt auf dem Pi.
Bedient wird er bequem per App auf dem Handy oder im Browser, für die schnelle Lautstärke am Gerät gibt es den Drehknopf an der Front.
Details, die den Unterschied machen
- Lautstärkeknopf mit eingravierter Skala
- Taster und Status-LED an der Front
- eingeschmolzene Gewindeeinsätze statt Schrauben direkt im Kunststoff
- Schnapp-Gitter für die Lautsprecher
- komplett in FreeCAD konstruiert – jedes Teil ist an die realen Bauteile angepasst
Stand und Roadmap
Der PiPlayer ist ein funktionierender Prototyp und im täglichen Einsatz. Für die nächsten Versionen gibt es bereits Ideen:
- Kleiner Touchscreen in der Front – für Titelanzeige, Cover und Bedienung direkt am Gerät
- HDMI-Anschluss für ein grösseres, aufsetzbares Display – damit wird aus dem Musikplayer ein kleines Mediencenter: Mit Kodi lassen sich auch Filme, Fotos und andere Medien anschauen
- Der PiPlayer als kleiner PC – mit einem vollwertigen Linux auf dem Raspberry Pi kann man damit auch im Internet surfen, Mails lesen und schreiben
Vorbild dafür ist mein Mediaplayer im Wohnzimmer: Ein Raspberry Pi im Pironman-Gehäuse, auf dem Kodi und der Lyrion Music Server zusammen laufen. Diese Kombination soll künftig auch im PiPlayer Platz finden.
Selbst nachbauen
Alle Druckdateien des PiPlayers (15 STL-Dateien), die Stückliste, die benötigten Gewindeeinsätze und meine Druckeinstellungen gibt es kostenlos auf Printables – zum Nachdrucken für den privaten Gebrauch (Lizenz CC BY-NC-SA).
Häufige Fragen zum PiPlayer
Ist der PiPlayer eine Alternative zu Sonos und anderen WLAN-Lautsprechern?
Der PiPlayer erfüllt eine ähnliche Aufgabe wie ein WLAN-Lautsprecher von Sonos, Bose oder ein Squeezebox Boom: ein kompakter Musikplayer mit Verstärker und Stereo-Lautsprechern, der Musik über das Heimnetz abspielt. Der Unterschied: Er ist selbst gebaut, offen und basiert auf freier Software – ohne Herstellerkonto und Abo, und er lässt sich reparieren und erweitern.
Brauche ich einen Server oder ein Abo?
Nein. Der PiPlayer kann als eigenständige Musikanlage mit eigenem Musikserver laufen oder sich als WiFi-Player in ein bestehendes Lyrion-/Squeezebox-System einfügen. Spotify ist optional.
Funktioniert Multiroom?
Ja. Mehrere Player im Haus lassen sich über den Lyrion Music Server gruppieren und synchron abspielen – wie bei einer Multiroom-Anlage.
Kann ich so einen Player bei dir bauen lassen?
Gehäuse, Halterungen und Ersatzteile konstruiere und drucke ich auch auf Anfrage – vom angepassten Gehäuse für deine Elektronik bis zum kompletten Musikplayer. Melde dich einfach für eine unverbindliche Einschätzung – oder druck ihn selbst nach: Die Dateien findest du auf Printables.
Du möchtest ein ähnliches Projekt umsetzen – einen eigenen Player, ein Gehäuse für deine Elektronik oder eine Lösung, die es so nicht zu kaufen gibt? Schreib mir, die Ersteinschätzung ist kostenlos.



